Karin Müller, Hebamme
Manchmal geht das Abstillen ganz einfach: Das Kind ist immer mehr am Essen und der Welt interessiert, parallel dazu wird das Stillen immer weniger, bis es eines Tages einfach ausgelaufen ist. Manchmal geht das Abstillen der Mutter* zu schnell: Die Welt ist für das Kind so spannend, dass es sich keine Zeit zum Stillen nimmt oder darauf vergisst und sich selbst abstillt. Und manchmal fällt es der Mutter* ganz schwer, zu einem Ende der Stillbeziehung zu finden. Darüber soll es in diesem Artikel gehen.
Irgendwann im Lauf der Stillzeit merkt die Frau* vielleicht, dass ihr das Stillen keine Freude mehr bereitet, ihr die intensive körperliche Nähe zu viel wird, sie mehr Freiraum für sich braucht, sie sich durchs Stillen „ausgesaugt" fühlt oder „grantig" wird, weil ihr Kind schon wieder trinken möchte. Gleichzeitig scheint ihr Kind das Stillen noch sehr zu mögen oder noch dringend zu brauchen: nachts, als Einschlafritual, beim Wiedersehen nach Trennungen oder nach kleinen Unfällen als Trost, oder sie hat von Vorteilen längeren Stillens gehört. Frauen* haben dann oft ein schlechtes Gewissen, dass sie ihrem Kind etwas Wichtiges wegnehmen oder ihm womöglich durch das Abstillen sogar schaden. Sie wollen es nicht frustrieren und abwarten, bis es allein aufhört.
Mütter* dürfen nicht nur Nein sagen und gut auf ihre eigenen Grenzen schauen, sie sind Kindern damit sogar ein wichtiges Vorbild. Wir sind überzeugt, wenn es der Frau* gut geht, geht es der ganzen Familie gut – weil sie ausgeschlafener ist, mehr Energien hat und sich wieder mit mehr Freude um ihr Kind kümmern kann.
Ein wichtiger Schritt beim Abstillen ist daher wohl, sich selbst die Erlaubnis zu erteilen, die Stillbeziehung zu beenden, obwohl das Kind diesen Schritt selbst noch nicht gehen würde. Und vom ersten „Eigentlich mag ich nicht mehr..." bis zum klaren, überzeugten „Jetzt geh` ich`s an!" kann es unter Umständen eine ganze Weile brauchen. Die Klarheit braucht es aber, Ambivalenzen und Zweifel spüren die Kinder genau. (Ich erinnere mich noch gut an den Blick meiner ersten Tochter, den sie mir auf mein halbherziges „Diese Nacht bekommst du keine Mamamilch" zuwarf: „Wenn es so weit ist, lässt du mich ja doch wieder trinken" – wie recht sie hatte...)
Die Wege zum Ziel sind vielfältig und individuell. Allgemeine Überlegungen dazu:
Erste Schritte, um die Stillfrequenz zu reduzieren, können sein:
Wenn vor allem häufiges nächtliches Stillen (oder Nuckeln) die Mutter erschöpft, helfen vielleicht folgende Überlegungen:
Vielleicht hat das Kind auch noch ein größeres Saugbedürfnis (das ist bis ins 2., 3. Lebensjahr ganz normal) und benötigt jetzt (vermehrt) einen Schnuller. Je nach Alter braucht Ihr Kind als Ersatz für die Muttermilch eventuell noch Pre-Nahrung im Fläschchen oder auch aus einem Becher o.ä.
Je nachdem, wie viel Milch das Kind tatsächlich noch aus der Brust getrunken hat, kann es sein, dass sich nach dem Abstillen auch die Brüste der Frau* für einige Tage prall anfühlen. Der Körper braucht etwa 7-10 Tage, bis er gelernt hat, dass keine Milch mehr benötigt wird. Hier kann Kühlen abhelfen, bei Bedarf auch minimales Ausstreichen oder Abpumpen (aber nicht Leerpumpen, sonst wird die Milchproduktion weiter angeregt) sowie Pfefferminz- oder Salbeitee. Bis gar keine Milch mehr in der Brust ist, kann es oft auch länger dauern.
Fällt Frauen* der Schritt zum Abstillen sehr schwer, können auch Bachblüten unterstützend eingesetzt werden:
Abstillen bedeutet wieder ein Stück weiter „Abnabeln" - vielleicht möchten Sie das Ende dieses Lebensabschnittes auch mit einem kleinen Ritual begehen: backen Sie einen Abstillkuchen, lassen Sie einen Luftballon steigen oder ein Papierschiffchen schwimmen...
Wir unterstützen Sie sehr gerne in unserer Abstillgruppe oder auch in Form einer Einzelberatung.
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